Start     Suche     Schlagwörter     Impressum     AGB     Preise     
 

Bolivien - Altiplano

Das Highlight der Reise

Wir fahren weiter zu den Geysiren "Sol de Mañana" (Morgensonne). Diese unterscheiden sich stark von den Tatio-Geysiren. Eigentlich sind es lauter kleine Schlammvulkane, jeder von einer anderen Farbe: Rotbraun, Violett, Schwarz, Weiß, Grau, Gelb, Braun, Grün und auch ein eitles Schweinchenrosa sind vertreten. Das ganze sieht aus wie der Tuschkasten eines Riesen. Außerdem gibt jedes Schlammloch ein anderes Geräusch von sich: Blubbern, Fauchen, Gurgeln...Das Unglaublichste an dieser Region des Altiplano sind die durch Mineralien bunt gefärbten Seen, von denen die Laguna Blanca (Weißer See), die Laguna Verde (Grüner See) und die Laguna Colorada (Bunter See) die bekanntesten sind. In allen spiegeln sich wunderbar die umliegenden Berge, und Tausende von rosaroten Flamingos filtern mit ihren Schnäbeln Mikroorganismen aus der gesättigten Salzlauge. Wir übernachten in einer einfachen Herberge an der Laguna Colorada, deren Wasser rot ist, durchsetzt von grünen Algenteppichen und weißen Salzablagerungen. Außer den Flamingos gibt es noch eine erstaunliche Vielfalt von anderen Vogelarten, so zum Beispiel eine an diese Höhen angepaßte Mövenart.

Auch die Vegetation hat Erstaunliches zu bieten. Lorenzo zeigt uns ein meterhoch wachsendes Moos, die Yareta. Unter der äußeren lebenden Schicht bildet es eine Art Holz, das sehr harzreich ist, phantastisch duftet und einen sehr hohen Brennwert hat. Wir kommen am Camparmento Corina vorbei, in dem wie zu Abrahams Zeiten Schwefel und Kalk gewonnen wird. Als Brennmaterial wird Yareta verwendet. Das ist heute aus Naturschutzgründen verboten, doch wer will das den Indegenas verbieten, wenn man weiß, daß ein Bergwerksarbeiter etwa 200 Bs (70 DM) im Monat verdient.

Die Fahrt führt weiter an immer bizarreren Felsformationen vorbei, die der Phantasie die tollsten Vergleiche aufdrängen. So zum Beispiel die Salvador-Dali-Felsen. Später weitet sich die Landschaft, wir fahren durch fruchtbare Hochtäler, in denen Quinua, eine uralte Getreideart angebaut wird. An den Hängen wachsen haushohe Kakteen. Wir fahren durch Dörfer, in denen sich seit Ankunft der Inka nichts geändert zu haben scheint. Man lebt in Hütten aus Lehmziegeln, die mit Paya Prava - einem harten Steppengras - gedeckt sind. Um die Dörfer herum weiden Lama-Herden. Wir übernachten in San Agustin. Der äußere Eindruck hat getäuscht, auch hier faßt der Fortschritt mit allen seinen positiven und negativen Folgen Fuß. Die Schule ist ein moderner heller Bau und die Masten für die Elektrifizierung sind schon gesetzt. Der Plastikmüll sammelt sich am Ortsrand.

Am dritten Tag führt uns die Fahrt wieder durch eine komplett andere Landschaft. Wir nähern uns dem Salar de Uyuni und durchqueren eine flache Salzwüste. Wir erreichen Julaca, ein an Trostlosigkeit kaum zu überbietendes Nest. Früher war hier ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt mit mehreren Hundert Einwohnern. Nach der Privatisierung des staatlichen Eisenbahnnetzes sind heute ganze zehn Familien übriggeblieben. Das Zentrum des Ortes ziert ein Haufen vor sich hin rostender Güterwaggons auf verbogenen Gleisen. Kaum zu glauben, daß hier noch regulärer Zugverkehr stattfindet. Auf der zentralen Plaza halten drei verwahrloste Kinder im Spiel inne, als mehrere Jeeps voll gut genährter Touristen einfahren und halten. Der Kulturschock ist komplett. Man verteilt sich und fotografiert die schrottigen Güterwagen und den zerfallenen Bahnhof. Langsam fassen einige Touristen Mut und lichten für ein paar Bonbons die zerzausten Kinder ab. Man stelle sich vor, daß sich dieses Schauspiel täglich wiederholen mag.

Es dauert eine Weile, bis man sich von dem Schock erholt hat. Spätestens auf der Salzpfanne des Salar de Uyuni wird er durch neue Eindrücke überdeckt. Wir fragen uns, wie Lorenzo den Weg durch das gleißende weiße Nichts findet. Lediglich einige der höheren Berge schweben, durch Luftspiegelungen zu UFOs verformt, noch über dem Horizont, bis auch sie verschwinden. Lorenzo findet aber den Weg zur Isla del Pescado, einer Insel im Salzmeer, auf der sich Kakteen und andere Trockenheit und Salz liebende Pflanzen erhalten haben, einige davon endemisch.

Weiter geht die Fahrt über den scheinbar endlosen Salzsee unserem Ziel, der Stadt Uyuni entgegen. Die Luft riecht wie in einem Chemielabor. Ein findiger Mensch ist auf die Idee gekommen, für die Touristen mitten auf dem Salar ein Hotel aus Salz zu bauen. Sogar die Stühle und Tische sind aus Salz gesägt. Ansonsten hat man sich aber an den traditionellen Baustil gehalten und die Hütten mit Paya Prava gedeckt. Wer noch nicht genug Salzluft geatmet hat, kann sich hier von der Gruppe trennen und für 20$ übernachten. Wir fahren jedoch alle mit Lorenzo weiter, der Gott sei Dank einen vollen Reservekanister dabei hat, denn wir bleiben plötzlich mit leerem Tank mitten im Salz stehen. Abends erreichen wir glücklich Uyuni, wo die Zivilisation uns mit Bus- und Bahnanschluß, Supermercados und Hotels wieder in ihre Arme nimmt.

Wer sich die Offenbarung dieser Reise nicht entgehen lassen will, kann sie natürlich auch in der anderen Richtung unternehmen oder als Rundfahrt von San Pedro de Atacama oder Uyuni aus buchen. Eine Bitte vom Autor: Es herrscht ein ruinöser Wettbewerb zwischen den Anbietern, die der junge Tourismusboom auf den Markt geworfen hat. Anstatt zu versuchen, diesen auszunutzen, und den Preis um weitere 10$ herunterzuhandeln, sollte man lieber darauf bestehen, daß die Fahrzeuge in annehmbarem technischen Zustand sind und die Fahrer eine Ruhepause zwischen den Touren eingelegt haben.

Soweit aus meinem Artikel. Bleibt hinzuzufügen, daß ich mir auf der Fahrt eine Salmonellenvergiftung zugezuogen habe. Den dritten Tag habe ich auf der Rückbank des Jeeps mit hohem Fieber zugebracht, die Nacht davor hauptsächlich auf dem Klo. Die zwei Australierinnen aus unserer Gruppe hat es ebenso erwischt, und von anderen Reisenden habe ich Ähnliches gehört.


© Thomas Pfeffer

 
 
Fotografie
 
Argentinien
Belize
Bolivien
Brasilien
Chile
Costa Rica
Deutschland
Frankreich
Guatemala
Indonesien
Italien
Mexiko
Peru
Spanien
St. Vincent and the Grenadines
Tschechien
Türkei
Venezuela

 
Reiseberichte und Reportagen
 
Südamerikareise
  Buenos Aires
  Iguazú
  Brasilien-Südosten
  Halbinsel Valdez
  Feuerland
  Torres del Paine
  Moreno Gletscher
  Fitz Roy Massiv
  Chile - Mittlerer Süden
  Villarrica, Santiago
  Atacama - Wüste
  Bolivien - Altiplano