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Brasilien - SüdostenSavannen, Rinderherden und verschlafene Inseln Brasilien ist eine Reise wert - das ist ein offenes Geheimnis. Nachdem Mitte 1999 der Real um 50% gefallen ist, ohne dass die Preise nennenswert gestiegen wären, ist das Land sogar von einem der teuersten Reiseziele Südamerikas zu einem der preiswerteren geworden. Weniger stark als andere Teile Brasiliens von ausländischen Touristen besucht ist diese Gegend. Dabei hat sie herrliche Strände, angenehmes subtropisches Klima und liebenswerte gastfreundliche Menschen zu bieten. Eigentlich wollte ich ja zu den Jesuitenklostern in San Ignazio und gar nicht weiter nach Brasilien hinein fahren, da ich des Portugiesischen ganz und gar nicht mächtig bin. Die freundlichen Menschen und die Verlockung tropischer Strände hat mich jedoch verleitet, weiter nach Paranaguá und auf die Ilha do Mel zu fahren. Zunächst geht es per Bus in die Millionenstadt Curitiba. Die Fahrt dorthin führt über das südbrasilianische Hochland. Hier auf etwa 1000m Höhe unterscheidet sich die Vegetation sehr von der um Iguazú. Palmensavannen wechseln sich ab mit Pinienwäldern und Viehweiden. Kleinere Gebirgszüge sorgen für noch mehr Abwechslung.Das etwa 900 m hoch gelegene Curitiba ist die wichtigste Stadt des wirtschaftlich prosperierenden Südens von Brasilien, in dem Armut ein nicht ganz so großes Problem ist wie in anderen Teilen des Landes. So trägt man sich auch gelegentlich mit Abspaltungsgedanken oder stellt Autonomieforderungen an die Zentralregierung. Für Individualtouristen, die sich etwas Zeit nehmen, und nicht nur per durchorganisierter Pauschalreise von einer Attraktion zur anderen geschaufelt werden wollen, ist die Gegend eine Entdeckung. Ein paar Worte Portugiesisch, die ich mir im Bus angelernt habe, sind mir dabei ganz von Nutzen – und die Gastgeber bringen alle Geduld auf, jeden Kauderwelsch zu verstehen. Auch mit Spanisch kann man es versuchen, allerdings versteht man die Antworten in Frontaleza, dem dort gesprochenen Mischmasch aus Portugiesisch und Spanisch, kaum. Ab Curitiba führt die Reise durch eine grandiose Gebirgslandschaft mit dichten Regenwäldern hinab in das verschlafene ehemalige Kolonialstädtchen Paranaguá, das auf jeden Fall einen Tagesaufenthalt wert ist. Im vorigen Jahr feierte es sein 350-jähriges Bestehen. Aus diesem Grunde wurde das historische Hafenviertel aufwendig restauriert. Leider aber offensichtlich nicht gründlich genug, denn viele der schönen alten Fassaden zeigen schon wieder so gravierende Verfallserscheinungen, dass man daran zweifeln muss, ob sie noch zu retten sind. Trotzdem wird mir das angenehme tropische Flair der Stadt mit seiner trägen Gelassenheit in bester Erinnerung bleiben.Von Paranaguá fährt man dann mit einem Vorortbus durch weniger ansehnliche wild wuchernde Ferienhaussiedlungen nach Pontal do Sul, von wo aus mehrmals täglich Fähren zu den beiden Hauptdörfern der Insel - Nova Brasíleira und Encantados fahren. Dort erhält man auch ein Informationsblatt einschließlich einer Auflistung der Unterkünfte auf der Insel. Die 2,8 km² kleine Insel am Rande der Tropen ist ein Naturschutzgebiet mit ursprünglicher Vegetation, zahlreichen Vogelarten und fischreichen Küstengewässern, die am Wochenende Einwohner von Curitiba zum Angeln einladen. Das einzige zugelassene Fortbewegungsmittel sind die eigenen Füße. Malaria ist hier übrigens unbekannt und Kriminalität ein Fremdwort. Trotz gelegentlicher Hitzeperioden ist das Wetter hier eher wechselhaft, was auch ich zu spüren bekomme. Anders hätte die üppige Vegetation sich auch nicht entwickeln können. Die Regenschauer sind jedoch fast immer kurz und heftig und von längeren Perioden mit Sonnenschein unterbrochen. Das Eiland ist fast völlig von Sandstränden und -buchten umgeben, zwischen denen sich kleinere Felsbarrieren auftürmen. An den raueren Südoststränden kann man Wellenreiter bei ihrem halsbrecherischen Tun beobachten. Eigentlich besteht die Insel aus zwei Teilen. Der kleinere hügligere Südteil und der flachere Nordteil sind nur durch eine Düne miteinander verbunden. Am schönsten Platz auf der Insel, vor dem einzigen felsigen Hügel der Nordhälfte, gibt es ein kleines Fort. Mit seinen pittoresken Wehrtürmchen macht es nicht gerade den Eindruck, als ob es je hätte dem Ansturm einer größeren Armada standhalten können. Schon eher würde es einen schönen Sommersitz für abgehalfterte Offiziere abgeben.Es gibt nur ein richtiges Hotel auf der Insel, das Zimmer für 30 $ pro Person inklusive Frühstück bietet. Es wirkt äußerlich jedoch etwas stillos. Besser ist es da schon, in einer der zahlreichen Familienpensionen abzusteigen. Ich wähle mir die Pousada Dona Quinota, die von Araldo Fernandes Alves in Familientradition geführt wird aus. Die einfachen aber wohnlichen Zimmer mit Bad und Ventilator kosten pro Person 25 Real (1 Real entspricht jetzt etwa 1 DM) einschließlich eines üppigen Frühstücks und eines hervorragenden Abendessens. Araldo legt Wert darauf, dass möglichst regionale Lebensmittel bester Qualität verwendet werden. Er arbeitet aktiv im Stab des Naturschutzparks mit und ist bemüht, die Müllflut in Grenzen zu halten, was in Brasilien keinesfalls selbstverständlich ist. Nicht zuletzt mixt Araldo den besten Caipirinha auf der Insel. Auch der frisch gepreßter Maracujasaft - mit oder ohne Rum – ist einen Versuch wert. Ich wohne in Zimmer 1, das eine schattige Terrasse mit Blick auf das Meer und die kleine mit Palmen bewachsene Ilha das Palmas hat. Natürlich habe ich nicht versäumt, wenigstens die Rückfahrt mit dem Zug auf der alten Eisenbahnlinie zwischen Paranaguá und Curitiba zurückzulegen, obwohl man für die 110 km lange Strecke vier Stunden braucht und mit dem stündlich verkehrenden Bus auf der kürzeren Straße weniger als zwei Stunden. Die Bahnlinie gilt als die schönste und aufregendste ganz Brasiliens, führt über atemberaubende Viadukte, durch zahlreiche Tunnel und fast immer an tiefen Abgründen entlang. Eine gewisse Ehrfurcht vor den ingenieurtechnischen Leistungen der Erbauer in den Jahren 1880 bis 1885 kommt da schon auf.© Thomas Pfeffer
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