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Feuerland - Tierra del Fuego

Umweltdesaster am Ende der Welt

Nach der Halbinsel Valdéz verbringe ich zwei Tage in Trelew, dort gibt es ein Dinosauriermuseum, das mit der entsprechenden Sammlung im Berliner Naturkundemuseum aber bei Weitem nicht mithalten kann.

Ich habe mich entschlossen, nach Ushuaia auf Feuerland das Flugzeug zu nehmen. Die Gründe dafür sind, daß die Busfahrt auch nicht billiger wäre, die Fahrt zwei Tage durch die monotone Patagonische Steppe führte, man zweimal umsteigen muß, ein Stück Chile zu durchqueren hat, und auf der östlichen Strecke (RN3) kein Bus mit der dortigen Fähre die Magallanes-Straße überquert, so daß man den Umweg über Punta Arenas zu nehmen hat, wo ich auf dem Rückweg aber sowieso hin will.

In Ushuaia empfängt mich der Winter mit drei Tagen Schnee und Matsch - und das im südlichen "Hochsommer", gefolgt von einem schönen aber kühlen Sonnentag. Und das nach mehreren Wochen mit 20 Grad auf Feuerland, wie mir entgegenkommende Reisende berichtet haben. Überhaupt begleitet mich seit Beginn der Reise ein Kälteloch. Vielleicht liegt es an meiner schlechten Aura?? Feuerland ist übrigens nur ein guter Platz für Katastrophen-Tourismus. Nur kranke bis tote Wälder - alles zerstört von Rindern und Schafen, die bedenkenlos in die Wälder getrieben werden. Außerdem ist Ushuaia eine häßliche und überteuerte Boomtown. Viele junge Leute von reichen Eltern warten hier auf günstiges Wetter, um an einer Antarktistour teilnehmen zu können.

Am letzten Tag in Ushuaia unternehme ich einen Ausflug in den kleinen Nationalpark, wo es keine Schafherden gibt und die Wälder mit den knorrigen Südbuchen noch intakt sind. Überhaupt die Südbuchen. Die Blätter sind kleiner als die der Birke und der Stamm sieht aus wie der von unseren Eichen. Durch das rauhe Klima sind die Bäume moosbehangen und geduckt. Wie ein Märchenwald. Dazu herrliche milchig grüne Gletscherseen und weitverzweigte Fjorde, alles schön eingerahmt von schneebedeckten Bergen.

Dann fahre ich über die einzige nennenswerte Straße auf Feuerland, die RN3, die Argentinien - hier als staubige Piste - auf einer Länge von ca. 5000km von Norden bis Süden durchzieht, zum größten See von Feuerland, dem 100km langen Lago Fagnano. Ein wunderbarer Anblick, wenn man die Wälder außer Acht läßt. Ich trampe weiter nach Rio Grande, wo die Viehwirtschaft noch intensiver wird. Ein Farmer nimmt mich in seinem Jeep mit. Auch er bestätigt mir, daß das katastrophale Waldsterben durch die Überweidung hervorgerufen wird. Die Wälder können sich nicht mehr verjüngen, weil die jungen Schößlinge durch das Vieh abgefressen werden. Den Rest besorgen Brände während der wenigen trockenen Sommerwochen.

Nun geht es nach Chile über die Magellanstrasse (Porvenir - Puntas Arenas). Der Bus ist fast leer und die Straße eher ein langer Feldweg. Die Landschaft wird langsam etwas lieblicher, es blühen viele Blumen und Sträucher. Bei der Überfahrt über die Magellanstrasse (welch erhabenes Gefühl!) sehe ich zahlreiche Seelöwen und große Delphine. Die Orte in Chile gefallen mir besser. Viele kunterbunte Holzhäuschen. Bloß der (amerikanische) Kaffee ist Mist, in Argentinien bekam man immer irgendwo einen guten Espresso.

Seit Puerto Pirámide schleppe ich mich mit einer Bronchitis herum. In Puerto Natales bleibe ich eine Woche und kuriere mich aus. Schade, daß ich nicht gleich in Punta Arenas geblieben bin. Die Stadt hat mir besser gefallen. Das Wetter bleibt schlecht. Meistens Regen und Graupel. Zwischendurch allerdings zwei richtig warme Sonnentage, an denen ich mal Fließ- und Goretexjacke in der Unterkunft lassen kann. Ich kaufe mir eine Karte für die Fähre nach Puerto Montt. Auf die legendäre dreitägige Fahrt auf der Passenger-Cargo-Fähre "Puerto Eden" von Navimag freue ich mich schon seit langem ganz besonders. Vorher will ich aber noch zu den Torres del Paine, zum Morenogletscher und vielleicht zum Fritz-Roy-Massiv.


© Thomas Pfeffer

 
 
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